Torontos Opern-Saison beginnt mit Rufus Wainwrights “Hadrian”

Rufus Wainwright – Foto: Matthew Welch

Liebe, Tragik, große Stimmen: Torontos Opernhaus bringt in diesem Jahr wieder die volle Dramatik emotionaler Arien und leidenschaftlicher Duette auf die Bühne des schicken Glasbaus an Queen Street. Wer in den nächsten Monaten einen Trip in die Metropole plant, sollte einen Blick in das Programm werfen! Bis zum 3. November wird Tschaikowskys Opern-Meisterwerk Eugen Onegin aufgeführt. Vom 26. Januar bis 22. Feburar folgt dann Elektra. Weiter geht es im Februar mit Cosi Fan Tutte, während im April La Boheme und anschließend Otello gezeigt werden.

Mit einem Highlight wird am 13. Oktober die Saison eröffnen: Rufus Wainwrights Oper Hadrian. Wir haben ein Interview mit dem Librettisten Daniel MacIvor geführt, der uns über die emotionalen Arbeiten an der Oper erzählt hat.

Mit der modern inszenierten alten römischen Geschichte „Hadrian“ bringt die Canadian Opera Company ihre erste im Haus produzierte Weltpremiere seit 1999 auf die Bühne. Die Oper, die auf Englisch und auf Latein gesungen wird, ist in vieler Hinsicht ein Novum für die Opernwelt: Es geht um eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern. „Das allein ist bereits ungewöhnlich“, hat uns der deutsche Opernchef Alexander Neef im Interview gesagt. „Aber auch die Tatsache, dass Libretto und Musik von zwei Männern kreiert wurden, die offen zu ihrer Homosexualität stehen, ist eine Seltenheit“, sagt Neef.

Wainwrights Oper erzählt die Geschichte von Kaiser Hadrian, der das Römische Reich von 117 bis 138 regierte. Obwohl er verheiratet war, hatte er auch einen schwulen Liebhaber. Ihre Beziehung wurde 1951 in einem Roman der französischen Schriftstellerin Marguerite Yourcenar nacherzählt. Wainwright wollte die Geschichte seit Jahren auf die Bühne bringen. Das Libretto stammt von Regisseur und Dramatiker Daniel MacIvor. In einem Interview hat uns der sympathische MacIvor einen Einblick hinter die Kulissen gegeben.

Hadrian-Librettist Daniel MacIvor, Foto: Jim Ryce

Mr. MacIvor, was hat Sie persönlich an dieser Geschichte fasziniert?

Als Alexander Neef mich bat, mir die Geschichte als Basis für eine Oper anzuschauen, merke ich, dass ich als schwuler Mann diese Geschichte gar nicht kannte. Es kam mri einfach nur falsch vor, dass ich nie davon gehört hatte. Meiner Meinung nach ist die größte Liebesgeschichte, die je erzählt wurde und und ich wollte Teil davon sein. Also traf ich mich mit Rufus und es war schnell klar, wie wichtig ihm dieser Stoff ist. Und auch ich entwickelte schnell eine Leidenschaft dafür.

War es schwierig, das Libretto zu schreiben?

Nicht am Anfang, der Prozess bis zur fertigen Aufführung war schwieriger. Ich bin ein sehr schneller Schreiber und habe den ersten Entwurf des Librettos sehr flott vorgelegt. Wir hatten etwas, mit dem wir anfangen konnten. Aber um ehrlich zu sein, seit dem ersten Entwurf hat sich so ziemlich alles daran verändert.

Wie wichtig ist das Thema Homosexualität für die Opernbühne?

Stereotypisch denken die Leute, dass homosexuelle Männer Opern lieben. Ich habe aber gemerkt, dass schwule Männer sich auf der Bühne in weibliche Charaktere oder Diven projizieren, einfach, weil es kein direktes Modell, keine Plattform für sie gibt. Aber hier ist eine Geschichte für uns, abweg vom „Tod in Venedig“, wo es um einen älteren und einen jüngeren Mann geht. Hier geht es um zwei Menschen, die einander lieben und eine Beziehung haben, die physisch, spirituell und emotional ist. Eine Liebe, die unglaublich tief war. Wir haben 2018 und es fühlt sich immer noch radikal an.

Wie war die Zusammenarbeit mit Rufus Wainwright?

Rufus ist definitiv eine Naturgewalt und trägt gerne ein T-Shirt mit dem Slogan “Enfant Terrible” darauf. Der Unterschied zwischen Rufus und mir besteht darin, dass man im Theater mit vielen Menschen um sich herum arbeitet, während Rufus ein Solomusiker ist und sein Prozess ein wenig abgegrenzt und zurückgezogen ist. Er kann sehr privat sein. Manchmal dachte er wohl, dass ich konfrontativ war, wenn ich ihn einfach nur herausfordern wollte. Dabei suchte ich oft nach einer Möglichkeit, eine Passage umzuschreiben und musste das diskutieren. Ja, es gab Tränen und es gab Geschrei. Es war sehr emotional. Aber ich denke, dass war notwendig, um unser Werk auf eine andere Ebene zu bringen.